Ein Motorrad ist für viele ein lang gehegter Wunsch – und schnell eine Anschaffung im vier- oder fünfstelligen Bereich. Wer nicht bar zahlen möchte, hat mehrere Finanzierungswege. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wem das Motorrad während der Laufzeit gehört, wie flexibel Sie beim Kauf sind und wie hoch die Gesamtkosten ausfallen.
Die drei wichtigsten Finanzierungswege
| Variante | So funktioniert es | Worauf Sie achten sollten |
| Ratenkredit bei einer Bank | Sie erhalten das Geld auf Ihr Konto und kaufen wie ein Barzahler. | Freie Händlerwahl und Verhandlungsspielraum beim Preis; Zinsen hängen von der Bonität ab. |
| Händlerfinanzierung | Der Händler vermittelt einen Kredit, meist über eine Herstellerbank. | Aktionszinsen können günstig sein, dafür oft weniger Rabatt; Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) bleibt bis zur letzten Rate bei der Bank. |
| Schlussratenfinanzierung | Niedrige Monatsraten, am Ende eine hohe Schlussrate. | Die Schlussrate muss bezahlt, anschlussfinanziert oder durch Rückgabe abgelöst werden. |
Ratenkredit: flexibel beim Kauf
Mit einem Ratenkredit treten Sie beim Händler oder Privatverkäufer als Barzahler auf. Das stärkt Ihre Verhandlungsposition und eignet sich besonders für Gebrauchtmaschinen von privat, für die es keine Händlerfinanzierung gibt. Da der Kredit nicht an das Fahrzeug gebunden ist, gehört das Motorrad sofort Ihnen. Ein Kredit mit Verwendungszweck „Fahrzeug“ ist bei vielen Banken etwas günstiger als ein frei verwendbarer Kredit.
Händlerfinanzierung: bequem, aber genau rechnen
Finanzierungsangebote direkt beim Händler sind bequem, weil Kauf und Kredit in einem Termin erledigt sind. Rechtlich handelt es sich meist um einen verbundenen Vertrag: Widerrufen Sie den Kredit, sind Sie auch nicht mehr an den Kaufvertrag gebunden (§ 358 BGB). Vergleichen Sie Aktionszinsen immer mit dem Preis, den Sie als Barzahler erzielen würden – ein entgangener Rabatt kann den Zinsvorteil aufzehren. Mehr dazu im Ratgeber 0-Prozent-Finanzierung.
Schlussratenfinanzierung: niedrige Rate, hohes Ende
Bei der Ballonfinanzierung zahlen Sie während der Laufzeit geringe Raten und am Ende einen großen Restbetrag. Das hält die monatliche Belastung niedrig, verschiebt aber einen erheblichen Teil der Kosten nach hinten. Wie das Modell funktioniert und welche Risiken es hat, lesen Sie in unserem Beitrag Autokredit mit Schlussrate – die Mechanik ist beim Motorrad dieselbe.
Nebenkosten nicht vergessen
Die Monatsrate ist nur ein Teil der Kosten. Planen Sie zusätzlich ein:
- Versicherung – bei finanzierten Fahrzeugen verlangen Banken häufig eine Vollkaskoversicherung
- Kfz-Steuer und Zulassung
- Schutzkleidung und Helm
- Wartung, Reifen und Inspektionen
- gegebenenfalls Garage oder Stellplatz
Viele Fahrer nutzen ein Saisonkennzeichen, um Versicherung und Steuer im Winter zu sparen. Die Kreditrate läuft dagegen auch in den Monaten weiter, in denen das Motorrad in der Garage steht.
Rechenbeispiel
Angenommen, Sie finanzieren 10.000 Euro über 48 Monate zu einem angenommenen effektiven Jahreszins von 6,9 Prozent (Beispielannahme, kein Angebot). Die Monatsrate liegt dann bei rund 238 Euro, die Zinskosten über die gesamte Laufzeit bei rund 1.430 Euro. Mit einer Anzahlung von 2.000 Euro sinkt die Rate auf etwa 191 Euro.
Tipps für die Motorradfinanzierung
- Zuerst den Kaufpreis verhandeln, dann über die Finanzierung sprechen.
- Angebote anhand des effektiven Jahreszinses vergleichen, nicht anhand der Monatsrate.
- Auf kostenlose Sondertilgungen achten – so können Sie nach einer guten Saison schneller zurückzahlen.
- Eine Anzahlung senkt Kreditbetrag und Zinskosten.
- Eine Restschuldversicherung ist freiwillig und sollte kritisch geprüft werden.
Häufige Fragen
Vergleichen Sie einen zweckgebundenen Ratenkredit mit dem Finanzierungsangebot des Händlers. Entscheidend ist der Gesamtpreis aus Kaufpreis und Zinsen, nicht nur der beworbene Zinssatz.
Ja, mit einem Ratenkredit einer Bank. Händlerfinanzierungen gibt es beim Privatkauf nicht.
Beim Ratenkredit gehört es Ihnen. Bei Händler- und Herstellerfinanzierungen behält die Bank meist die Zulassungsbescheinigung Teil II als Sicherheit, bis der Kredit getilgt ist.
Das ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, wird aber bei vielen Händler- und Schlussratenfinanzierungen vertraglich verlangt. Beim frei verwendbaren Ratenkredit entscheiden Sie selbst.
Ja, Verbraucherkredite können Sie jederzeit ganz oder teilweise zurückzahlen. Die Bank darf dafür eine begrenzte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.
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