Führerschein, erstes Auto, eigene Wohnung: Gerade in der Ausbildung stehen viele größere Ausgaben an, während das Einkommen noch überschaubar ist. Ein Kredit ist für Azubis möglich, aber Banken prüfen genau. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es ankommt.
Bekommen Azubis überhaupt einen Kredit?
Ja, grundsätzlich schon. Entscheidend sind drei Punkte:
- Volljährigkeit: Banken vergeben Ratenkredite nur an Personen ab 18 Jahren.
- Regelmäßiges Einkommen: Die Ausbildungsvergütung zählt als Einkommen. Sie muss nach Abzug aller Fixkosten genug Spielraum für die Rate lassen.
- Bonität: Ohne negative SCHUFA-Einträge stehen die Chancen besser. Viele Azubis haben noch kaum Kredithistorie – das ist kein Ausschlussgrund, führt aber zu vorsichtigeren Kreditbeträgen.
Warum Banken bei Azubis vorsichtig sind
Zwei Besonderheiten machen Auszubildende für Banken zu einem höheren Risiko. Erstens ist das Einkommen meist niedrig. Zweitens ist der Ausbildungsvertrag befristet: Er endet mit dem Abschluss der Ausbildung, und ob eine Übernahme folgt, ist oft offen. Während der Probezeit von einem bis vier Monaten kann das Ausbildungsverhältnis zudem jederzeit ohne Frist gekündigt werden (§§ 20, 22 BBiG). Manche Banken begrenzen die Laufzeit deshalb auf das Ende der Ausbildung oder verlangen eine zusätzliche Absicherung.
So verbessern Sie Ihre Chancen
Zweiter Kreditnehmer
Unterschreibt ein Elternteil oder Partner mit regelmäßigem Einkommen den Kreditvertrag mit, rechnet die Bank beide Einkommen zusammen. Beide haften dann gemeinsam für die Raten.
Bürgschaft
Alternativ kann ein Bürge einspringen, der nur zahlen muss, wenn Sie ausfallen. Die Unterschiede und Risiken erklärt unser Ratgeber Kredit mit Bürgschaft.
Kleinerer Betrag und passende Laufzeit
Ein Kleinkredit über eine überschaubare Summe hat bessere Chancen als ein großer Kredit. Die Rate sollte auch dann noch tragbar sein, wenn nach der Ausbildung eine Übergangszeit ohne festen Job entsteht.
Übernahmezusage vorlegen
Liegt bereits eine schriftliche Übernahmezusage oder ein Arbeitsvertrag für die Zeit nach der Ausbildung vor, sollten Sie diesen der Bank vorlegen.
Erst Zuschüsse prüfen
Bevor Sie einen Kredit aufnehmen, lohnt der Blick auf Leistungen, die nicht zurückgezahlt werden müssen:
- Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Ein Zuschuss der Agentur für Arbeit für Azubis in einer betrieblichen Ausbildung, die nicht bei den Eltern wohnen können.
- Wohngeld: Kann für Auszubildende infrage kommen, wenn kein Anspruch auf BAB besteht.
- Kindergeld: Wird während einer Erstausbildung in der Regel weitergezahlt, längstens bis zum 25. Geburtstag.
- Arbeitgeberleistungen: Manche Betriebe beteiligen sich etwa an Führerschein, Fahrtkosten oder gewähren ein Arbeitgeberdarlehen.
Typische Anlässe und passende Lösungen
| Anlass | Mögliche Lösung |
| Führerschein | Ratenzahlung bei der Fahrschule oder Kleinkredit – siehe Führerschein finanzieren |
| Erstes Auto | Günstiger Gebrauchtwagen, Kredit mit zweitem Kreditnehmer – siehe Autokredit |
| Mietkaution | Mietkautionsbürgschaft oder Ratenzahlung der Kaution in drei Monatsraten, die das Gesetz erlaubt (§ 551 BGB) |
| Möbel und Einrichtung | Gebraucht kaufen, schrittweise anschaffen, Rücklagen bilden |
Worauf Sie beim Kredit achten sollten
- Angebote anhand des effektiven Jahreszinses vergleichen.
- Keine Vorabgebühren zahlen – seriöse Anbieter verlangen vor der Auszahlung kein Geld.
- Restschuldversicherungen sind freiwillig und verteuern den Kredit oft deutlich.
- Die Rate mit der 50/30/20-Regel gegenprüfen.
Häufige Fragen
Ab 18 Jahren, mit regelmäßiger Ausbildungsvergütung und ohne negative SCHUFA-Einträge. Viele Banken erwarten außerdem, dass die Probezeit vorbei ist.
Das hängt von Vergütung, Fixkosten und Laufzeit ab. Meist sind nur kleinere Beträge möglich, es sei denn, ein zweiter Kreditnehmer mit höherem Einkommen unterschreibt mit.
Das ist schwierig, weil das Ausbildungsverhältnis in der Probezeit jederzeit gekündigt werden kann. Mit einem solventen zweiten Kreditnehmer oder Bürgen ist es aber möglich.
Einige Banken werben mit Krediten für junge Leute. Rechtlich sind das normale Ratenkredite. Vergleichen Sie deshalb den effektiven Jahreszins und die Bedingungen.
Prüfen Sie zuerst Zuschüsse wie Berufsausbildungsbeihilfe und Wohngeld, Unterstützung des Arbeitgebers sowie ein zinsloses Darlehen aus der Familie.
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