Baufinanzierung & Immobilienkredit · ca. 3 Min. Lesezeit

Grundstück finanzieren: Kredit, Grundstückswert & Nebenkosten

Norman Lehmann
Norman Lehmann · Kreditberater & Fachredakteur für Kredite
Veröffentlicht am 30. September 2026 · Aktualisiert am 30. September 2026

Das passende Grundstück ist oft der erste und schwierigste Schritt zum eigenen Haus. Nicht selten ergibt sich die Gelegenheit, bevor die Hausplanung steht. Dann stellt sich die Frage, wie sich der Grundstückskauf finanzieren lässt – und wie er zur späteren Baufinanzierung passt.

Finanzieren Banken auch nur ein Grundstück?

Ja, allerdings meist unter Bedingungen. Banken finanzieren einen reinen Grundstückskauf in der Regel dann, wenn eine Bebauung absehbar ist. Grundstücke ohne Bauabsicht – etwa als reine Wertanlage – finanzieren viele Banken nur mit hohem Eigenkapitalanteil oder gar nicht. Als Sicherheit lässt sich die Bank eine Grundschuld im Grundbuch eintragen.

Gemeinsam oder getrennt finanzieren?

Variante Vorteile Nachteile
Grundstück und Haus gemeinsam bei einer Bank Ein Darlehen, ein erstrangiger Grundbucheintrag, meist bessere Konditionen Hausplanung und Kosten müssen früh feststehen
Grundstück zuerst, Haus später Grundstück kann schnell gesichert werden Die erste Bank steht im ersten Rang; eine zweite Bank für den Hausbau wird nur nachrangig abgesichert und verlangt dafür oft höhere Zinsen
Grundstück mit variablem Darlehen, danach Gesamtfinanzierung Flexibel, da variable Darlehen mit kurzer Frist ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündbar sind Zinsänderungsrisiko bis zur Anschlusslösung

Wer das Grundstück zuerst kauft, sollte deshalb möglichst gleich mit der Bank sprechen, die auch den Hausbau finanzieren soll. Dann lässt sich die spätere Baufinanzierung von Anfang an mitdenken. Mehr zum Gesamtablauf lesen Sie auf unserer Seite Baufinanzierung.

Grundstückswert ermitteln: der Bodenrichtwert

Ob der Kaufpreis angemessen ist, lässt sich mit dem Bodenrichtwert einschätzen. Er gibt den durchschnittlichen Lagewert des Bodens pro Quadratmeter für ein bestimmtes Gebiet an und wird von den örtlichen Gutachterausschüssen auf Grundlage tatsächlicher Kaufpreise ermittelt (§ 196 BauGB). Abrufen können Sie die Werte kostenlos über das Portal BORIS-D oder die Bodenrichtwertportale der Länder.

Die Faustformel lautet: Grundstücksfläche × Bodenrichtwert = Bodenwert. Bei 600 Quadratmetern und einem Bodenrichtwert von 250 Euro ergibt sich ein Bodenwert von 150.000 Euro.

Der Bodenrichtwert ist allerdings nur ein Durchschnittswert. Zuschnitt, Hanglage, Bodenbeschaffenheit, Erschließungszustand und Bebauungsplan können den tatsächlichen Wert deutlich verändern. Banken setzen zudem nicht den Kaufpreis, sondern einen vorsichtigeren Beleihungswert an.

Nebenkosten beim Grundstückskauf

Die Kaufnebenkosten sollten Sie möglichst aus Eigenkapital bezahlen, denn die Bank finanziert in erster Linie den Wert des Grundstücks.

Worauf Sie achten sollten

Worauf Sie sich verlassen können
Ein gutes Grundstück lässt sich sichern, bevor die Hausplanung abgeschlossen ist.
Gemeinsame Finanzierung von Grundstück und Haus ermöglicht meist bessere Konditionen.
Der Bodenrichtwert bietet eine kostenlose erste Preiseinschätzung.
Was Sie bedenken sollten
Reine Grundstücke ohne Bauabsicht finanzieren Banken nur eingeschränkt.
Getrennte Finanzierung kann den späteren Hausbaukredit verteuern.
Erschließungs- und Maklerkosten können beim Grundstückskauf höher ausfallen als erwartet.

Häufige Fragen

Das ist schwierig. Banken erwarten beim Grundstückskauf meist, dass zumindest die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital bezahlt werden. Ohne Bebauungsabsicht ist eine Finanzierung ohne Eigenkapital kaum möglich.

Als erste Orientierung multiplizieren Sie die Grundstücksfläche mit dem Bodenrichtwert, den Sie kostenlos über BORIS-D abrufen können. Für eine genaue Bewertung ist ein Gutachten nötig.

Meist ja. Eine gemeinsame Finanzierung bei einer Bank vermeidet einen nachrangigen zweiten Kredit und führt in der Regel zu besseren Konditionen.

Die gesetzliche Provisionsteilung gilt nur für Wohnungen und Einfamilienhäuser. Beim unbebauten Grundstück kann die Provision vollständig vom Käufer zu tragen sein, je nach Vereinbarung.

Den isolierten Grundstückskauf fördert die KfW in der Regel nicht. Förderprogramme beziehen sich auf den Bau oder Kauf selbst genutzten Wohneigentums.

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